Erste Abschlussfeier im „Garden of Hope“ Kindergarten

Ungefähr auf der Hälfte der knapp einstündigen Autofahrt auf größtenteils, für die Verhältnisse von Kenia, gut ausgebauten Straßen von Kisumu nach Sango wurden vom Waridi Team die letzten Vorbereitungen getroffen: das Packen der Rucksäcke für die baldigen Erstklässler: Zehn Rucksäcke für die zehn Absolventen gefüllt mit Schreib- und Rechenheften, Bleistift, Spitzer, Radiergummis und Keksen.

Dass dies keine Abschlussfeier wie in Deutschland werden wird, erkannten wir umgehend, als unser Kleinbus die letzten holprigen Meter auf der feldwegmäßigen Straße zu unserem Ziel, dem Kindergarten für Waisenkinder „Garden of Hope“, einschlug. Ein afrikanisches Lied erklangund gab den Startschuss für die Lehrerinnen, die bereits aufgereihten und wartenden Kinder geordnet losmarschieren zu lassen, um ihre Gäste zu begrüßen.

Anschließend war Rosemary, unsere Koordinatorin, darum bemüht alle Angestellten des Kindergartens und Mitwirkenden der Abschlussfeier den deutschen Besuchern vorzustellen. Da ein paar von uns den Kindergarten zum ersten Mal sahen, war es Rosemary sehr wichtig, uns alles zu zeigen und genau zu erklären. Insbesondere die Unterschiede – und die sind gewaltig – zu einem staatlichen Kindergarten machten deutlich, welchen positiven Beitrag unser Projekt leistet. Der Eindruck des Kindergartens und dessen Einrichtung entsprach unseren Erwartungen. Kleinigkeiten wurden notiert, um eines der drei Klassenzimmer zweckmäßig weiter zu verbessern.

Dann standen sie da. Alle zehn Absolventen in ihren Uniformen. Der dazugehörende Hut durfte natürlich nicht fehlen. Die Kinder wussten offensichtlich nicht so recht wie ihnen geschieht, aber alle verhielten sich absolut vorbildlich und ließen die Erwachsenen um sie herumwursteln, um hier noch eine Falte zu glätten und dort noch den Bändel des Hutes ein wenig anders fallen zu lassen.

Nun ging das eigentliche Event los. Die Angehörigen, Familienmitglieder, Freunde und Bekannte, der Pfarrer und sein Helfer, der Chief bzw. Ortsvorsteher und alle Kinder der beiden weiteren Klassen hatten sich auf dem Gelände des Kindergartens versammelt.. Die Kinder marschierten zu afrikanischer Musik in ihren eigens für die Feier hergestellten Uniformen, wie man sie aus feierlichen Diplomübergaben an Hochschulen kennt, ein und nahmen in den ersten beiden Reihen Platz. Die Uniformen wurden im von Rosemary geführten Nähstudio, welches junge Frauen und Witwen unterstützt, geschneidert. Es folgten Reden von Rosemary, Gebete von dem Pfarrer, aufmunternde Worte von den Lehrerinnen und dem Chief. Ebenfalls Philipp und Thomas reihten sich zu den Rednern ein und sprachen zu den Kindern und den Anwesenden. Dann durften die Kinder wieder aktiv werden und präsentierten einstudierte Tänze und Gesang. Dies sorgte für große Unterhaltung bei allen Gästen.

Nach den knapp drei Stunden Programm war es mehr als nötig sich zu stärken und es wurde Essen und Trinken für alle Gäste ausgegeben. Die Kinder waren sichtlich froh nun diesen unbekannten offiziellen Teil hinter sich zu lassen und das Essen zu genießen. Wir hatten in dieser ruhigeren Zeit Gelegenheit mit den Gästen und den Lehrerinnen zu sprechen, um besser zu verstehen, welche nächsten Schritte sich für unser Herzensprojekt als sinnvoll erweisen können. Viele gute Hinweise wurden mitgeteilt und das persönliche Gespräch ist nach wie vor sehr wertvoll, um ein Vertrauensverhältnis aufzubauen und zu pflegen. Alle Ehrengäste, wie beispielsweise der Ortsvorsteher, unterstrichen wie außergewöhnlich und nicht selbstverständlich der Kindergarten geführt und gepflegt wird. Als Folge sind die Anmeldungen für die neue 1. Vorschulklasse bereits sehr vielzählig.

Mittlerweile waren die meisten Kinder und Gäste gegangen und wir machten uns weiter nützlich, Mitgebrachtes wieder in dem Wagen zu verstauen und aufzuräumen. Interessant war es mitzuerleben, als das Team begann den auf dem Gelände des Kindergarten vorhandenen Müll einzusammeln und in kleinen Säcken zu verstauen. Dies ist in Kenia eine nicht gewöhnliche Tätigkeit und so schauten die noch anwesenden und spielenden Kinder zunächst ungläubig uns zu, wie wir jeden noch so kleinen Plastikabfall auflasen. Dann ging es los: eines der Kinder tat es uns nach und brachte ein kleines Stück Müll und legte es stolz in den aufgehaltenen Sack. Danach halfen alle mit und zeigten eine unverhoffte Freude, dieses seltsame Handeln mit uns gemeinsam zu tun.

Nachdem alles erledigt und eingeräumt war bedankten wir uns alle herzlich bei den Mitwirkenden für das tolle Gelingen dieser ersten Abschlussfeier des Kindergartens und machten uns auf den holprigen Rückweg nach Kisumu.

 

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